Notizen einer begeistert Denkenden

Dienstag, 29. November 2011

Aus Fehlern wir man dumm??

Wie Edison in der Schule immer noch im Dunkeln rumfunzeln würde

Überblick: Intelligenz ist nicht nur durch Schnelligkeit gekennzeichnet. Das beweisen mein Enkelkind und Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne. Sie haben etwas gemeinsam: Beide sind unermüdliche Arbeiter. Und beide lern(t)en dabei viel, auch wenn sie Fehler mach(t)en. In der Schule ist der Fehler ein Teufel. Um alles in der Welt muss man ihn vermeiden. Dabei bleibt Vieles auf der Strecke: Ausdauer, Geduld, Experimentierfreudigkeit, Kreativität, Selbstbewusstsein. Stattdessen werden wir zu Wiederkäuern vorgekauten Wissens erzogen.

Von Thomas Edison, dem Erfinder der Glühlampe wird folgendes erzählt: Er brauchte tausende von Versuchen, bevor er seine Idee, Licht mit Hilfe von Elektrizität zu erzeugen, umsetzen konnte. Er selber sagt dazu, dass er tausende von Möglichkeiten gefunden hatte, die nicht funktionierten. Aha! Seine Fehler hatten ihm gezeigt, dass er auf dem falschen Weg war, dass er rückwärts aus der Sackgasse herausfahren musste und nach einer anderen Lösung suchen musste. Er hat nicht aufgegeben. Schließlich wurde er fündig. Danke Thomas für deine Ausdauer. Hätte er seine Erfindung in der Schule machen müssen, würden wir wahrscheinlich heute noch im Dunkeln rumfunzeln.

Ich habe mein Enkelkind beobachtet. Er versuchte einen Kreis aus den Schienen seiner Holzeisenbahn zusammenzusetzen, damit sein Bär Feisel und dessen Freunde im Kreis herumfahren konnten. Eine ziemlich schwierige Aufgabe für einen Dreijährigen. Geduldig fügte er die Schienen zusammen. Die Schlangenlinien, die dabei entstanden, nahm er immer wieder auseinander. Hin und wieder half ich ihm, indem ich eine Schiene umdrehte, so dass sie sich leichter in die Kreisform einfügen konnte. Schließlich hatte er es geschafft! Der Kreis schloss sich und Feisel konnte mit seinen Freunden losfahren.

Hatte er beim Bauen Fehler gemacht? Ja, viele! Letztendlich hatte er aber viel gelernt, nämlich Schlangenlinien zu bauen und dabei ein Prinzip des Kreises zu verstehen: Ein Kreis ist rund und wellt sich nicht. Seine Fehler schulten eine wichtige Erkenntnis und – nicht zu vergessen – seine Geduld und Ausdauer.

Was wäre passiert, wenn ein Erwachsener eingegriffen hätte: „Lass’ mal, das ist falsch das kannst du noch nicht. Ich mach’ das mal für dich!“ Wir hätten in ein sehr enttäuschtes Gesicht geschaut, das eine Möglichkeit etwas Wichtiges zu lernen verpasst hatte. Das Training von Ausdauer, Geduld, Experimentierfreudigkeit, die Schulung von Kreativität und logischem Denken und einige mathematische Vorerfahrungen wären buchstäblich auf der Strecke geblieben. Planen, abwägen, entwickeln, verwerfen, entscheiden, unterscheiden, emotional, sozial verantwortlich sein... und der kritische Umgang mit Fehlern kennzeichnen einen intelligenten Menschen. Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Aus Fehlern wird man klug!“

In der traditionellen Schule sind Fehler das Schlimmste was einem passieren kann. Fehler werden rot angestrichen. Fatal! Rot ist eine Signalfarbe, die sich tief in das Bewusstsein einbrennt. Dadurch wird der Fehler verstärkt. Schau her, hier ist etwas rot markiert. Es ist sehr wichtig! Schau genau hin! Dadurch prägt sich der Fehler eher ein, als dass man ihn vergisst.

Die zweite Katastrophe ist, dass wir gezwungen werden, Fehler zu vermeiden. Fehler bringen schlechte Zensuren, also hat derjenige die größten Chancen, der möglichst präzise wiederkäut, was Lehrer und Schulbücher vorgedacht haben. Dann ist alles „richtig“. Bloß nicht selber denken, bloß nicht experimentieren, bloß nicht kreativ neue Wege ausprobieren. Sie könnten zu einem Fehler führen und damit zu einer schlechten Zensur. Schlechte Zensuren verbauen den erfolgreichen Schulweg. Erfolgreich?

Ist es erfolgreich wenn man trainiert wird, vorgegebene Inhalte möglichst buchstabengetreu wiederzugeben, das nach – zudenken, was der Lehrer vorgedacht hat? Edison hätte in der Schule keine Chance gehabt. „Lieber Thomas, das was du da machst, ist alles falsch, es dauert viel zu lange, schreibst du jetzt bitte diesen Text über Petroleumlampen ab? Na wird’s bald?“

Schauen wir uns andere Forscher an. Jahrelang brüten sie über Problemen und siehe da, sie dürfen Fehler machen, sie müssen es sogar. Denn um Dinge herauszufinden und voranzutreiben gehen sie ungewohnte, nicht vor - gedachte Wege. Langzeitstudien z.B. brauchen Jahrzehnte bis sie Ergebnisse zeigen. Wie bei Edison führen Experimente häufiger zu falschen Ergebnissen. Die sind aber eigentlich richtig, weil sie auf dem Weg zur Lösung unkorrekte Überlegungen ausschließen. Klingt paradox (widersprüchlich), nicht wahr? Man wird klüger, weil man die gescheiterten Versuche zu den Akten legen kann. Ein Fehler sagt: Hier geht es nicht weiter! Die richtige Lösung wird sozusagen auf dem Weg über die Fehler eingekreist. Und ganz nebenbei lernen wir – wie mein Enkelkind - auch noch etwas z.B. über Wellenlinien in Schienen: Eine Wellenlinie ist kein Kreis und gleich kann man Wellenforschung anschließen.

Und was passiert später im Arbeitsleben? Was ist mit Firmenchefs, die neue Märkte erschließen wollen? Was ist mit Arbeitskräften, die mit unkonventionellen Lösungen Arbeitsprozesse verkürzen, neue Verkaufsstrategien entwickeln wollen? Machen die denn auch Fehler?

Moment, hier scheint ein Widerspruch vorzuliegen. Sollen Arbeiter und Chefs beim Ausprobieren und Erkunden denn Fehler machen? Nein, natürlich nicht! Aber nur wenn sie gelernt haben, richtige Lösungen über das Fehlermachen einzukreisen, beherrschen sie anschließend die kreativen Planspiele, die falsche Entscheidungen vorwegdenken und damit vermeiden. Der ‚Fehler’ wird auf der abstrakten (gedanklichen) Ebene erkannt und abgehandelt.

Dieses Thema ist unendlich und ich mache hier erst einmal Schluss mit meinen Betrachtungen. Zwei große Wünsche möchte ich noch anschließen: Die Lehrer/innen in der Schule verwandeln sich von Vor – Kauern zu Begleitern. Sie helfen dir und unterstützen dich auf deinem Lernweg. Manchmal stellen sie Weichen und beraten dich, damit du aus den unendlichen Angeboten der Wissenswelt die besten Medien auswählen kannst. So verfranzt du dich nicht im Unendlichen. Denn Bildung ist nun einmal keine Holzeisenbahn.

Außerdem wünsche ich mir schon seit meiner eigenen Schulzeit, dass nicht Fehler rot, sondern das Richtige grün angestrichen wird. Wie du ja schon weißt, lernst du durch Erfolge und Bestätigung besonders gut.

Viel Spass beim Experimentieren und Ausprobieren

Maria Stoecker

Text aus

Maria Stoecker: 'Schillers Eichhörnchen fährt Motorrad - Lernen auf der Überholspur', unveröffentlichte Ausgabe



Donnerstag, 8. September 2011

Wachstum und/oder soziale Attacke

Liebe Gehirnbenutzer/innen,

heute möchte ich Ihnen Informationen aus einem Vortrag von Gerald Hüther, Neurobiologe, wiedergeben, die mich sehr bewegt haben.

In seinem zweistündigen Vortrag „Die Zukunft des Lernens“ beschäftigt er sich mit Aspekten des vorgeburtlichen Lernens bis hin zu Vorschlägen für eine veränderte Schullandschaft. Ich möchte Ihnen hier einen Auszug wiedergeben, den ich für besonders wichtig halte. Er beinhaltet sinngemäß folgendes:

Neugier, Herausforderung, positive Bestätigung erzeugen Wachstum. Diese Eigenschaften schaffen Weltentdecker und Weltgestalter. Wertschätzung, Zuneigung, Lust und Selbstvertrauen setzen einen positiven Lernzyklus in Gang. Wenn wir Erfolg haben, suchen wir weiter nach dem Schönen. Dieser Lernzyklus geht unter die Haut, prägt sich tief im Gehirn ein.

Jedes Mal wenn wir eine Bestätigung erhalten, wird das Selbstbelohnungssystem im Gehirn in Gang gesetzt. Serotonin und Dopamin (das ist wie eine kleine Prise Kokain und Heroin gleichzeitig – wir sind ‚high‘) werden ausgeschüttet. Damit werden alle Lösungen, die uns erfolgreiche Erlebnisse verschaffen, fest im Gehirn verankert, eingebügelt: Bestehende Synapsen werden verstärkt, neue Verbindungen geschaffen. Das heißt: Erfolg macht uns auch klüger.

All das, was wir in einem erfolgreichen Zyklus lernen, wird fest ins Gehirn eingebrannt. Wir gehen mit diesen Erfahrungen weiter, wollen die Welt entdecken, mit dem Selbstvertrauen, das uns der Erfolg gegeben hat. (Das bezieht ein, dass wir uns auch gerne anstrengen – dazu demnächst mehr.)

Es gibt kein genetisches Programm im Gehirn, das für Misserfolge sorgt. In Misserfolge werden wir immer durch jemand anderes gestoßen. Ein Misserfolg ist immer auf ein soziales Attentat zurückzuführen, das durch andere Menschen ausgelöst worden ist. Jemand ist nicht zufrieden mit dem was wir denken und wie wir sind. Menschen, die uns zeigen, dass wir nichts können, dass wir nicht dazugehören, sorgen für diese Misserfolge. Lehrer lassen uns nicht zeigen, was wir können. Klugscheißer und Besserwisser rauben uns den letzten Mut.

Schließlich sagen wir uns selbst, dass wir eine Pfeife sind, denn alles andere ist zu deprimierend. Und dann sagt das Gehirn: „Ha, hab ich doch gleich gesagt“, und wertet diese Aussage als Erfolg. Mit diesem ‚Erfolg‘ kann ich vor den Menschen treten, der mich negativ bewertet hat: „Ich bin eine Pfeife!“, sagen wir nun selbst. In diesem Moment springt das Belohnungssystem an. Das Gehirn deutet die negative Nachricht in eine positive um. So frisst sich die negative Selbstüberzeugung über das Belohnungssystem fest in das Gehirn ein. Dann sind wir nicht mehr erreichbar für positive Botschaften.

In der Zusammenfassung bedeutet das: Wir lernen am besten durch Erfolge und Bestätigung. Die verschaffen uns nicht nur ausgesprochen gute Laune (wer kennt sie nicht nach einem Erfolg oder positivem Erlebnis?) wir werden auch noch klüger! Das Selbstbelohnungssystem des Gehirns brennt diese Erfahrungen tief in sein Netzwerk ein und vermehrt auch noch seine Verbindungen.

Misserfolge sind nach Gerald Hüther soziale Attacken, durch unsere Mitmenschen verursacht (Vorsicht, wir sind auch ein Mitmensch!). Die negative Bewertung wird übernommen „Ich kann ja sowieso nichts!“ und vom Gehirn umgepolt in eine positive Botschaft. Damit brennt sie sich genau so tief ein wie ein Erfolg. Deshalb werden wir diese verflixten behindernden Urteile über uns so schlecht los.

Mehr möchte ich heute nicht schreiben, genug Stoff zum Nach - denken.

Liebe Grüße

Maria Stoecker

PS: Ein Satz in dem Vortrag hat mich ganz besonders gefreut:

„Wirkliches Lernen findet nur mit Begeisterung statt.“

Leute kommt zuhauf, ich zeige euch wie es geht!

Montag, 31. Januar 2011

Lernen und arbeiten Teil 1

Liebe Gehirnbenutzer/innen,
nun habe ich schon längere Zeit nicht geschrieben, trotzdem während mehrerer Wochen ein Thema in meinem Kopf gewälzt. Angeregt durch Anna Arnskötter, die in ihrem Feedback ihre veränderte Einstellung zum Lernen beschreibt, möchte ich heute meine eigenen Gedanken dazu aufschreiben.

Hier zunächst einmal Annas MindMap zum Thema 'lernen'.


Ganz bewusst hat sie dunkle Farben gewählt und Adjektive, die uns eher zum Davonlaufen einladen als gemütlich, interessiert und angeregt mit unserem Stoff zu arbeiten: trist, langweilig...

Diese Einstellung zum Lernen hat sie leider aus der Schule mitgebracht. Warum wurde ihr dort diese traurige, deprimierende Haltung vermittelt? Obwohl ich nicht alle Schulen und LehrerInnen über einen Kamm scheren möchte, zeichnet sich die traditionelle Schule aus meiner Sicht durch einige lernhemmenden Eigenschaften aus.

Ich nehme mir für heute einmal das Adjektiv langweilig zu näheren Betrachtung heraus. Warum ist Schule lang - weilig?
Während meiner Schulzeit als Lehrerin habe ich gerne die Schulanfänger beobachtet, die mit strahlenden Augen und voller Eifer in die Klassen strömten. Voller Wissbegier und neugierig auf den neuen Lebensabschnitt, stolz darauf, bald lesen und schreiben zu können, kamen sie in die Schule.
Ein halbes Jahr später schien das Licht in ihen Augen ausgelöscht worden zu sein. Nun trotteten sie einigermaßen gelangweilt durch die Eingangstür. Ganz zu schweigen von einigen wenigen, die weinten oder mit Magenschmerzen den Schultag begannen.
Was passierte in diesem ersten halben Jahr? Die Kinder, die bis dahin überwiegend ihrem eigenen Forschungstrieb gefolgt und als lernerprobte Individuen in ihr Leben gewachsen waren, wurden nun Teil einer Gruppe. Ja, es ist wichtig zu erfahren, dass Individualität sich in sozialen Bezügen in eine Gruppe einordnen muss, dass Regeln das Zusammenleben erleichtern und dass es dazugehört eigene Interessen dem Zusammenhalt und der Tragfähigkeit einer Gruppe unterzuordnen. Auf diesem sozialen Fundament, das das Zusammenleben und -lernen einer Gruppe regelt, können Entwicklung, Verstehen und Einsicht wachsen.

Zugleich müssen die meisten Kinder aber erfahren, dass Lernen im Gleichschritt funktionieren soll, dass alle im gleichen Moment das Gleiche lernen müssen. Die gleichen Buchstaben, die gleichen Mathematikaufgaben, die gleichen Lieder, die gleichen Geschichten .... Einige von Ihnen können schon schreiben, lesen, rechnen. Andere sind noch ganz am Anfang. Die Folge: Die erste Gruppe langweilt sich, die anderen sind überfordert. Unterricht für die Mitte? Wer ist die Mitte und warum und wie kann sie das Tempo bestimmen?

Noch etwas ändert sich: Vom Fragenden, Forschenden, neugierig das Leben Erprobenden (im Idealfall, wenn sie nicht schon vorm Fernseher oder Computer versackt sind) werden die Kinder auf Zuhören, noch einmal Zuhören, Wiederholen, Speichern und Reproduzieren gedrillt. Dazu kommt das Stillsitzen über mehrere Stunden, nur unterbrochen von einigen Pausen, die Bewegung erlauben.

Stellen Sie sich das für sich selber vor, falls Ihnen die Erfahrungen aus der Schulzeit schon abhanden gekommen sind: Sie sitzen den ganzen Vormittag oder sogar bis in den Nachmittag, ziemlich eng gedrängt an einem Tisch, der hoffentlich Ihren Körpermaßen entgegenkommt, hören einem vorne stehenden Dozenten zu, kommen manchmal in den Vorteil eine Antwort geben zu können, nachdem sie ihren Finger gehoben haben und dürfen auch einmal ihre Hand bewegen um einen Schreibstift zu schwingen. Na, kribbelt Ihnen schon der Hintern? Ist das eher langweilig?
Forschungen (und es sind beileibe nicht die Allerneuesten) belegen, dass Bewegung für das Gehirn ein Jungbrunnen ist, dass Sauerstoff das Lernen beschleunigt. Warum werden unsere Kinder immer noch in viel zu kleinen Klassenräumen auf Stühlen festgeklebt? Warum muss Lernen seit dem Bestehen der Klosterschulen immer noch im Gleichschritt funktionieren? Warum werden aus diesem Gleichschritt immer noch einige Beste ausgesiebt, während alle anderen sich frustriert den unteren Rängen des Einheitsmaßstabes ergeben müssen? Warum wird an unseren Schulen nicht überwiegend in Projekten gelernt, die den Netzwerken unserer Gehirne Futter geben, die individuellen Fähigkeiten und den Forscherdrang ausbauen, Bewegung in allen Bereichen erlauben und im weitesten Sinne die Intelligenz unserer Gesellschaft fördern?


Genug für heute zum Thema 'Langeweile'
Ich wünsche Ihnen Abwechslung, Forscherdrang und Bewegung.
Bis bald
Maria Stoecker

Freitag, 29. Oktober 2010

Null-Bock-Blog

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blablablablablablablablablab

Kennen Sie das auch? Keinen Bock auf Arbeiten?
Ich helfe Ihnen zurück an den Schreibtisch.

Ein schönes Wochenende
Maria Stoecker

Sonntag, 15. August 2010

Hinkend besser lernen

Guten Morgen, liebe GehirnbenutzerInnen

Während meiner Schulzeit hatte ich eine Sternstunde, an die ich mich legebenslänglich erinnere: Herr Volkmar vertrat eine Lateinstunde. Thema: Versmaße. Oh wie schrecklich langweilig!!!

Doch dann begann eine außergewöhnliche, in meiner Schulzeit einmalige Vorführung: Herr Volkmar begann neben seinem Lehrerpult im Kreis zu hinken. Dabei trug er einen lateinischen Text im Takt seiner Hinkschritte vor. Wir schauten uns verdattert und zweifelnd an. Ist der Typ völlig ausgetickt?

Herr Volkmar nutzte unsere Verwirrung amüsiert noch ein bisschen hinkend aus, bis er erklärte: "Das ist der Jambus, der Hinkvers! Kurz - lang - kurz - lang - unbetont - betont", hinkte er weiter. Seine Beinlänge hatte sich speziell für diese Vorführung verändert. Die Klasse brach in lautes Gelächter aus.

Natürlich durften wir kurz darauf selbst auf lateinisch hinken und nie habe ich vergessen, was der Jambus ist.

Herr Volkmar hat (wahrscheinlich ohne Kenntnisse der Gehirnforschung) wichtige Prinzipien für erfolgreiches Lernen angewandt.

- Er hat dem Jambus ein unauslöschliches Bild und Bewegung verschafft
- Er hat uns zum Lachen gebracht
- Er hat uns das Erfolgserlebnis des sofortigen Wissen gegeben.

Inzwischen gibt es Versuche zu diesen Themen. Ohne sie hier ausführlich zu schildern (für Interessierte : "Geist und Gehirn" von Prof. Dr.Dr. M. Spitzer in alpha3, Folge 7 und 94) steht inzwischen fest:

- Menschen mit guter Laune lernen und behalten besser
- Wir haben ein körpereigenes Belohnungsystem (Dopamin). Das versorgt uns immer dann mit opium(!)ähnlichen Stoffen, wenn wir erfolgreich sind. Das heißt: Mit jedem Erfolgserlebnis geht es uns ausgesprochen gut. Wir sind 'high'.
- Aber nicht nur das. Der Ausstoß von Dopamin (für Interessierte - im ventralen Striatum) sorgt außerdem für erweiterten Strassenbau im (orbito) frontalen Cortex, dem Sitz unseres Arbeitsgedächtnisses. Dort entstehen mehr Nervenzellen und deren Verbindungen.
- Mit jeder neuen Verbindung können wir schneller und besser denken und lernen.

Fazit: Danke Herr Volkmar. Sie haben schon in den 70ern den Erkenntisssen der modernen Gehirnforschung Rechnung getragen. Lernen mit Spass, Begeisterung und guter Laune zahlt sich aus.

Und was macht Stress in unserem Gehirn? Das erfahren Sie im nächsten Beitrag.
Ich wünsche Ihnen eine Woche voll mit Lachen und Erfolgserlebnissen.

Maria Stoecker

Montag, 9. August 2010

Flow im Scanner

Liebe GehirnbenutzerInnen,

kennen Sie den 'Flow'? Kennen Sie den 'Flow' im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit, Ihrem Studium, Ihren Prüfungsvorbereitungen? Dieses totale Eintauchen in Ihre Beschäftigung, bei der das Zeitgefühl verschwindet, alles fließt, Sie sind locker, Ihre Arbeit macht richtig Spass, Sie sorgen sich um nichts, sind voll bei der Sache?

Was passiert in solchen Momenten im Gehirn? Um diese Frage zu beantworten unternehme ich einen kleinen Ausflug in die Fernsehlandschaft. Meine Lieblingssendungen heißen 'Wer wird Millionär' und 'Geist und Gehirn' von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, auch online zu sehen unter www.br-online.de/br-alpha/geist-und-gehirn/index.xml .

In der 77. Folge (Staffel 6) berichtet er von einem Experiment, das den Flow im Tomographen (Scanner) untersucht und erste Einsichten darüber vermittelt, was bei diesem wunderbaren Gefühl im Gehirn passiert.

Nun ist ein Scanner nicht unbedingt der Ort, an dem man mit Leichtigkeit ins Fließen gerät. Doch das Experiment hat die beteiligten Menschen auf clevere und einfache Art überlistet und dabei eine erstaunliche Tatsache belegt.

Der Versuch bestand aus zwei Durchgängen und je drei Bedingungen: Im ersten Durchgang wurde den Probanden Bilder gezeigt. Sie mussten entscheiden, ob es sich bei den Darstellungen um Tiere handelte. Die Bilder wurden zunächst in Abständen von 1 Sekunde gezeigt (1), danach in gemütlichen 3 Sekunden (2). Eine dritte Aufgabe bestand darin, die gezeigten Bilder emotional zu bewerten (die Kuh gefällt mir, gefällt mir nicht) (3).

Im zweiten Durchgang wurden die gleichen Bedingungen auf Töne angewandt. (Dies ist ein Trompetenton / kein Trompetenton usw.) Wieder wurden die Töne im schnellen, dann im gemütlichen Ablauf vorgespielt, danach mussten sie zusätzlich emotional bewertet werden.

Nun die erstaunlichen Ergebnisse des Versuches: Der Grad des 'Bei-sich-selber-seins' nahm zu, je langsamer die Bilder bzw. Töne präsentiert wurden und erreichte seine stärkste Ausprägung bei der emotionalen Beurteilung des Geschehens.

Als man die Gehirnaktivitäten auf den vom Computer erstellten Landkarten studierte, sahen die Wissenschaftler, dass zwei völlig unterschiedliche Bereiche im Gehirn aktiv wurden: Bei der schnellen Bild- bzw. Tonfolge, die die Versuchspersonen herausforderte bei der Sache zu bleiben, (1Sek) wurden das Seh- bzw. Hörzentrum aktiv. Bei der eher gemütlichen Darbietung (3 Sek) und der emotionalen Beurteilung des Geschehens arbeiteten verstärkt die frontalen Arreale der einzelnen Gehirne. Die Untersuchungsergebnisse zeigten außerdem: Es gab auf den Karten keinen Überlappungsbereich zwischen 'genau hingucken' und 'genau in sich hineinhören' oder zwischen 'genau hinhören' und dem Beurteilen der Emotionen.

Je mehr wir also bei der Sache sind, umso weniger hören wir in uns hinein. Je mehr wir mit unseren persönlichen Emotionen beschäftigt sind, desto weniger sind wir bei der Sache. Das heißt, wenn wir ganz bei der Sache sind, sind wir weit entfernt von Gedanken und Gefühlen, die mit uns selbst zu tun haben. Das heißt aber auch, dass wir weit weg von der Sache sind, wenn uns Stress, Sorgen oder Blockaden belasten. Kommt Ihnen das bekannt vor? Darüber hinaus betreffen Stress, Sorgen und Blockaden oft das Lernen selbst.

Einer meiner Schüler schrieb in seinem Feedback: "Kurz vor meiner Prüfung war es mal wieder so weit, meine altbekannte Lernblockade mit völliger Verweigerung setzte wieder ein, und das immer vor wichtigen Prüfungen. Aber ich lerne generell nicht gerne, ich bekomme beim Lernen immer so ein wirkliches Unwohlsein und möchte nur weglaufen und lenke mich ständig ab. Dann mache ich ich mich selbst für meine Unfähigkeit fertig."

Da haben wir den Salat! Typischer Fall von Frontallapperitis! Sie können im Feedback auf dieser Website nachlesen, wie sich dieser 'Fall' weiterentwickelt hat, wie er den Spaß an der Arbeit kennengelernt, bei der Sache bleiben konnte und seine Prüfung bestanden hat.

Genug für heute.
In der nächsten Woche können Sie etwas über die Auswirkungen von positiver Bestätigung auf das Lernen lesen.

Bis dahin wünsche ich Ihnen eine Woche voller Flow-Erlebnisse.

Maria Stoecker

Montag, 2. August 2010

Warum entspricht Ihre Leistung (manchmal) nicht Ihrem Potential?

Liebe Gehirnbenutzer,

haben Sie sich auch schon mehrfach gewundert, dass Ihre Leistungen im Ernstfall (einer Prüfung z.B.) weit hinter Ihren sorgfältigen Vorbereitungen zurückblieben? Ich habe bei Tony Buzan, dem Erfinder der Mind Maps eine interessante Liste mit Fragen gefunden (1). Die gebe ich Ihnen jetzt einmal weiter: 95% der Befragten haben alle Fragen übrigens mit 'Nein' beantwortet.

1. Haben Sie in der Schule etwas über das Gehirn gelernt und darüber, wie das Verständnis seiner Funktionen das Lernen, Erinnern, Denken usw. unterstützen?

2. Haben Sie etwas darüber gelernt, wie Ihr Gedächtnis funktioniert?

3. Haben Sie etwas über spezielle moderne Gedächtnistechniken gelernt?

4. Etwas darüber. wie Ihr Auge beim Lernen funktioniert und wie Sie dieses Wissen vorteilhaft nutzen können?

5. Etwas über die vielerlei Formen von Studientechniken und wie sie in den verschiedenen Diziplinen angewendet werden können?

6. Etwas über das Wesen der Konzentration und wie man sie im Bedarfsfall aktivieren kann?

7. Etwas über Motivation, wie Sie Ihre Fähigkeiten beeinflusst und wie Sie sie vorteilhaft nutzen können?

8. Etwas über das Wesen von Schlüsselwörtern und Schlüsselbegriffen und welche Bedeutung sie für Aufzeichnungen, Vorstellungen usw. haben?

9. Etwas über das Denken?

10. Etwas über Kreativität?

Ich möchte folgende Fragen hinzufügen:

11. Haben Sie in der Schule mit Mind Maps gearbeitet?

12. Sind Sie auf Ihren Lerntyp getestet worden?

13. Wissen Sie auf Grund der Testergebnisse etwas über Ihre bevorzugten 'Eingangskanäle'?

14. Kennen Sie Ihre Hemisphärendominanz?

15. Wissen Sie, wie sich Ihre Hemisphärendominanz auf Ihr Lernverhalten auswirkt?

16. Haben Sie gelernt, Ihre Lesegeschwindigkeit durch Flächenlesen mindestens zu verdoppeln?

17. Wissen Sie etwas über die Wichtigkeit innerer Bilder für das Lernen und Behalten?

18. Hat man Sie über das Wesen von Stress aufgekärt und Ihnen den Umgang damit erleichtert?


Sie ahnen es schon, dieser Beitrag ist gleichzeitig der Werbeblock, denn all diese Fragen werden Sie nach dem Coaching bei mir mit 'ja' beantworten. Sie werden sich wundern, was das für Ihr Lernen bedeutet.

Liebe Grüsse - bis nächste Woche, wo es um den wissenschaftlich untersuchten 'Flow' geht.

Maria Stoecker

(1) Tony Buzan: Kopftraining, Anleitung zum kreativen Denken - Tests und Übungen, Goldmann



Montag, 26. Juli 2010

Prüfungssituation am 'eigenen Leibe'

Liebe interessierte Gehirnbenutzer,

ich komme gerade aus dem Französischen Jura zurück. Dort habe ich den jährlichen internationalen Kinomichi-Lehrgang besucht und meine Hakamaprüfung bestanden.

Zunächst einmal: Kinomichi ist eine Bewegungskunst, die von dem japanischen Meister Masamichi Noro aus dem Aikido entwickelt wurde. Angriff und Verteidigung einer Kampfkunst wandelten sich in eine friedliche Philosophie, die die Energien zweier Menschen in Einklang bringt. Von außen gesehen wirken die Bewegungen auf mich wie eine Mischung aus Aikido und Tai Chi. Der Hakama ist ein grauer Rock, der von Fortgeschrittenen beim Training getragen wird. (Leider ist er aus 'Plastik' und bei heißem Wetter sehr schweißtreibend.)

Zum zweiten war ich sehr lange micht mehr in einer Prüfungssituation. Ich musste mich auf 111 Bewegungsformen und deren Bezeichnungen vorbereiten. In der Prüfung wurde ich nach vorne gerufen und musste Bewegungen, die die Prüfer vorgaben, mit einem Partner demonstrieren.

Ich hatte mich gut vorbereitet und bin ruhig in die Prüfung gegangen. So konnte ich die gefagten Formen ohne Schwierigkeiten vorführen und meine Ruhe und Gelassenheit wurden in einem anschließenden Bewertungsgespräch sehr positiv hervorgehoben.

Natürlich war ich in den Monaten der Vorbereitung auch oft nervös und angespannt, aber meine Einstellung zu Prüfungen hat sich verändert. Ohne den 'drohenden' Termin hätte ich mich nicht so intensiv mit der Materie auseinandergesetzt. Jetzt beherrsche ich die 111 Formen und das gibt mir Sicherheit, Selbstbewusstsein und eine solide Grundlage für mein weiteres Training.

Nun habe ich also meine Methoden (im wahrsten Sinne des Wortes) am eigenen Leibe in einer Prüfung getestet und bin begeistert!

Jetzt bin ich wieder in Berlin und möchte Ihnen die Ruhe, Gelassenheit, Kompetenz und Sicherheit für Ihre Prüfungssituation begeisternd denkend vermitteln.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche
Maria Stoecker


PS: Der Beitrag der nächsten Woche beschäftigt sich mit der Frage: "Warum

entspricht Ihre Leistung nicht Ihrem Potenzial?"

Bis dann!

Mittwoch, 7. Juli 2010

Mensch Leute, ich habe jetzt einen BLOG

Heute ist meine Website fertig geworden. Danke an Annette und Marie!!!! Und die neueste Errungenschaft ist ein BLOG.

Hier werde ich woechentlich Gedanken zum Lernen und anderen interessanten Themen veroeffentlichen.

Kommt vorbei und schaut rein!

Bis bald
Maria